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Ornithologenverband Sachsen-Anhalt e.V.

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Exkursionstipp: Vögel am Brocken

von Martin Wadewitz und Michael Hellmann /Halberstadt (Stand: Juli 2002)

Der Brocken ist mit 1142 m NN der höchste Berg im Harz. Als Mittelgebirge ragt der Harz weit in das norddeutsche Flachland hinein. Hier werden extreme Wetterbedingungen erreicht, wie sie sonst nur in den Alpen oder in Skandinavien auftreten.


Hier ist ein Kartenausschnitt vom Brockengebiet dargestellt.
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Die Gipfelregion des Brockens ist unbewaldet. Subalpine Matten und Heiden beherrschen das Bild. Sie sind das Reich des Wiesenpiepers (Anthus pratensis). Mit jährlich etwa 30 Brutpaaren ist er der häufigste Brutvogel und der "King" auf dem Brocken. Seitdem der Berg 1990 auch für Ornithologen wieder frei zugänglich wurde, liegen übrigens keine Beobachtungen vom Bergpieper (Anthus spinoletta) vor.

Den rauhen Bedingungen entsprechend, lässt sich eine ganz eigene Vogelwelt beobachten. Zu den Besonderheiten gehört die Ringdrossel (Turdus torquatus). Sie hat mit etwa 6 Brutpaaren rings um das vom Rundwanderweg umschlossene 18 ha große Brockenplateau ein festes Vorkommen, das sich auf niedrigem Niveau hält. Weitere Paare sind im Umfeld zu finden. Der Bestand hat sich seit 1990 sehr deutlich verringert, was hauptsächlich auf den starken Besucherverkehr zurückzuführen ist. Die Vögel suchen in den Matten teilweise vertraut nach Nahrung und sind - wie auch alle anderen Vogelarten - gut vom Rundweg aus zu beobachten. Ab Ende März rasten auf ihrem Weg in die skandinavischen Brutgebiete auch Ringdrosseln der nordischen Unterart. Sie halten in kleinen Gruppen zusammen, die sich hier zu größeren Trupps vereinigen. Bis zu 60 der hübschen Vögel mit dem weißen Brustschild wurden am Brocken schon gezählt.

Der Rand der verbliebenen Schneefelder wird im Frühjahr gern von rastenden Schneeammern (Calcarius nivalis) und Berghänflingen (Carduelis flavirostris) zur Nahrungssuche besucht. Der Birkenzeisig (Carduelis flammea) hat am Waldrand in den Krüppelbäumen der Fichte gebrütet. In der Zeit von März bis Mai wurden in den letzten Jahren regelmäßig einzelne Alpenbraunellen (Prunella collaris) festgestellt. Die Art kann zwischen den Granitblöcken recht unauffällig sein. Insbesondere an der Teufelskanzel, im Geröllfeld an der Nordseite und auch im Gebäudekomplex sollte auf sie geachtet werden.

Im April und Mai, aber auch im Sommer, kann mit dem Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus) gerechnet werden. Von ihm liegen, wie auch vom Grünlaubsänger (Phylloscopus trochiloides), inzwischen mehrere Beobachtungen vor. Letztere Vogelart erscheint erst im Juni und brütete in verschiedenen Jahren erfolgreich in den Hochlagen des Harzes.

Aber nicht nur die Raritäten, sondern auch die scheinbar ganz gewöhnlichen Vogelarten bieten am Brocken interessante Studienobjekte. So erscheint der Zilpzalp (Phylloscopus collybita) immer erst spät Ende Mai und brütet hier nur selten. Bislang liegt noch immer kein Brutbeleg für die Feldlerche (Alauda arvensis) vor und seit 1961 wurde der Haussperling (Passer domesticus) hier oben nicht mehr nachgewiesen.

Eine aktuelle Zusammenfassung, eine 82 Vogelarten umfassende kommentierte Liste, ein Lageplan und weitere Informationen sind bei Hellmann & Wadewitz (2000) in den Ornithologischen Jahresberichten des Museums Heineanum, Band 18, nachzulesen.

Der Brocken ist nur zu Fuß, mit der Bahn oder mit dem Pferdegespann zu erreichen. Man sollte unbedingt versuchen, vor 9 Uhr und damit vor den Besuchermassen auf dem Berg zu sein. Zu Fuß benötigt man von Schierke oder von Torfhaus für die jeweils gut 12 km wenigstens 1,5 Stunden! Für den interessanteren Weg von Ilsenburg braucht man sogar etwa 3 Stunden. Ein Tipp: Wer konditionell einiger Maßen in Form ist, der kann das Fahrrad von Schierke aus auf der Brockenstraße benutzen. Dann ist die Strecke auch in der halben Zeit zu schaffen. Bequemer ist es mit der Schmalspurbahn, die mehrmals täglich ab Wernigerode, Drei-Annen-Hohne und Schierke fährt. In diesem Fall sollte man gleich mit dem ersten, oder aber erst mit dem letzten Zug hinauf fahren.

Einkehr- und sogar Übernachtungsmöglichkeiten bestehen direkt oben auf dem Brocken. Außerhalb der Saison kommt man auch ohne Anmeldung in Schierke oder Ilsenburg unter. Für den kleinen Geldbeutel bieten eine Jugendherberge in Schierke und Zeltplätze in Braunlage oder Elbingerode Quartier.

Zu beachten ist, dass man sich im Brockengebiet überall und ständig in einem Nationalpark (= höchste Schutzkategorie!) befindet. Das Verlassen der Wege, die Anwendung von Klangattrappen usw. ist damit streng untersagt und für das Vogelbeobachten auch gar nicht erforderlich.

Ach ja, vielleicht das Wichtigste überhaupt: Für eine Exkursion sollte man sich einen Tag aussuchen, der schönes Wetter verspricht, denn die meiste Zeit im Jahr ist der Brocken in Wolken gehüllt und ein Sturm bläst über seine Kuppe!


Alle Vogelbeobachtungen vom Brocken nimmt sehr gerne das Museum Heineanum, Domplatz 37, in 38820 Halberstadt, Fax 03941/551469, e-mail: Heineanum-hbs (at) t-online.de entgegen.

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